Erschossen oder: Ich schreibe das Drehbuch Freitag, Sep 7 2007
Dreaming and Writing 8:04 Uhr vormittags
meiner Träume.
Ich bin in einem Haus. Es muss ein Traum sein, denn ich kann mich nicht daran erinnern, wie ich in dieses Haus gekommen bin. Ich weiß nur, dass ich hier ein Gespräch habe und danach versuchen muss, Maggie, Finn und Jo hereinzuschleusen, ohne dass uns irgendwer bemerkt. Bevor ich mir darüber den Kopf zerbreche, gehe ich zu Frau Kirchenkötter und rede mit ihr, das Gespräch ist kurz, aber sie ist auf der Hut und lässt ihre Tür offen, was bedeutet, dass ich nicht durch diesen Flur kann, um die anderen hereinzulassen.
Durch die Glastür sehe ich das Gesicht von Finn und schüttele heftig den Kopf. Er verschwindet. Ich schlüpfe in den Keller. Was beginnt, ist eine richtige Verfolungsjagd. Niemand hat mich bemerkt, aber ich bin nicht der einzig ungebetene Gast. Ich schleiche mich durch die Stiege in den zweiten Stock, dort, wo die Kinder wohnen, die hier lernen. Hierhin müssen Maggie, Finn und Jo. Vielleicht kann ich sie so durchschleusen?
Aber Maggie ist schon da. Als ich um eine Ecke schleiche, prallt sie von mir zurück. Keine Ahnung, wie sie auch heimlich hereingekommen ist, aber sie legt den Finger auf die Lippen und deutet auf eine Tür. Dann ist sie verschwunden. Schritte nähern sich und ich husche schnell in einen Schrank. Auch hier ist jemand, ein kleines Mädchen, das leise weint und mich erschrocken anstarrt. Ich beruhige sie leise und spähe aus dem Schrank. Maggie kommt wieder um die Ecke und winkt beruhigend. Ich nehme das kleine Mädchen mit aus dem Schrank. “Such du den Schlüssel, ich nehm sie mit”, flüstert sie mir zu und ich schiebe das kleine Mädchen in ihre Richtung. Dann geht es weiter, auf der Suche nach dem Schlüssel.
Ich verschaffe mir Zutritt in ein Büro, vielleicht ist es das von Frau Kirchenkötter, zumindest sieht alles sehr streng undgeordnet aus. Und der Schlüssel ist sogar beschriftet. Jetzt nur noch raus. Den Schlüssel zu Finn und Jo bringen. Aber gerade jetzt wird es unruhig hier oben: Einbrecher! Richtige Einbrecher, drei Männer, bewaffnete Männer. Es gilt, sich vor allen zu verstecken und Maggie zu warnen. Wieder nutze ich ganz viele Schränke, bis ich notgedrungen in einen Saal husche. Kühler Wind weht hinein. Das Fenster ist die Lösung! Ich renne hinüber und schaue hindurch, wie hoch es ist. Hier müsste ich den Sprung schaffen.
Schritte nähern sich auf dem Gang und entsetzt muss ich feststellen, dass die Einbrecher ebenfalls Zuflucht in diesem Raum suchen. Vielleicht verstecken sie sich vor Frau Kirchenkötter. Ich reiße die Augen auf, dort im Gegenlicht und stoße einen überraschten Schrei aus. Den Mann kenne ich. Jetzt weiß ich nicht mehr, wie er heißt, aber ich weiß ganz deutlich, dass ich ihn kenne, meinen Mörder. Denn im selben Moment schießt er.
Ich versuche, zum Fenstersims hochzuspringen, mich hindurchzuzwängen, aber auf einmal ist es unglaublich schwer. Ich weigere mich zu glauben, was gerade passiert ist. Wütend drehe ich mich zu dem Mann, und rufe ihm zu, dass ich es doch bin, dass er mich kennt und das er bitte rückgängig machen soll, was er da gerade getan hat. Dass er mich erschossen hat. Bestimmt nicht erschossen, angeschossen höchstens! Ich kann doch nicht tot sein! “Verdammt noch mal, änder das Drehbuch!” heule ich einfach auf, an irgendwen gewandt. Ich kann doch jetzt nicht aufhören, nicht jetzt wo ich den Schlüssel habe und nur noch durch das Fenster müsste, wie geht das denn, wenn ich nie erfahren werde, ob es Maggie, Finn und Jo gelingt? Ich hab ja nicht mal mitgekriegt, was sie genau wollen, weil ich da mit einer Erkundigung für ebendiesen Mann beschäftigt war, der mich nun erschossen hat. Das ist nicht fair!
Ich muss irgendwas tun, irgendwer, es kann einfach nicht zu Ende sein für mich und für alle anderen weiter gehen. Nicht ohne mich! Und dennoch ist da das Loch in meiner Brust, wo langsam immer mehr Blut raussickert und die Waffe in der Hand des Mannes, der jetzt ein wenig genervt aussieht, weil er die falsche erwischt hat. Ich weiß nicht mal, wen er hat treffen wollen. Na also. Wo bitte endet ein Buch, ohne dass man das erfährt? Ich kann jetzt auch nicht einfach gehen, ohne das zu wissen. Und dann sind es langsam zu viele Gedanken in letzter Minute und ich sinke zu Boden und weine bittere Tränen über das Versehen, dass der Drehbuchautor dieses Lebens erschossen statt angeschossen geschrieben hat.
Und dann wache ich auf.
Ich mag meine Träume. Viel zu oft werde ich mitten rausgerissen und ärgere mich darüber, dass ich nie erfahren werde, wie es weitergeht. Schon wieder. Ich habe tausend Fragen an Maggie, Finn und Jo, die ich im wirklichen Leben nicht wiedererkennen würde, aber gleichzeitig bin ich auch ein bisschen froh, dass ich nur der Drehbuchautor war.
September 8, 2007 um 8:51 Uhr vormittags
Ich frage mich ja grade wirklich, was Du abends vorm Schlafengehen tust, dass Du sowas träumst… *Kopf schüttel*
Wobei Du aus Deinen Träumen vielleicht Bücher machen solltest. Liest sich nämlich sehr spannend das alles.
Und nun genieß Dein Wochenende!!!
September 8, 2007 um 4:43 Uhr nachmittags
Als ob ich das noch nicht gemacht habe :))) Was meinst du, woher die Idee zu meinem Buch kam?
Deshalb gelingt es mir wohl auch so häufig nicht, etwas zu schreiben… bei dem Buch hat ich immer wieder diese Szene vor Augen, und dann ging alles viel leichter zu beschreiben, weil ich die Eindrücke immer (und immer noch) im Kopf hatte.
September 8, 2007 um 7:51 Uhr nachmittags
mehr zur kirmes in pützchen gibts dort:
http://www.puetzchens-markt.de/
geht bis dienstag, kannst es also schaffen
(watch the parking meters!)